
Die zweite Fahrt für dieses Jahr war schon vor einiger Zeit auf Anfang November festgesetzt worden, denn das lange Wochenende über Allerheiligen bot sich geradezu für einen erweiterten Besuch im Tierheim Siófok an. Der übliche Ablauf unserer Fahrten ist ja eigentlich „Freitag hin – Samstag dort – Sonntag zurück“, was sich je nach Verkehrslage und Wetterkapriolen zu einer ziemlich stressigen und anstrengenden Angelegenheit entwickeln kann. Darum waren wir über die Aussicht, einen extra Tag im Tierheim und in Siófok verbringen zu können, sehr erfreut. Zwei Tage vor Ort lassen die erforderlichen zwei Tage im Auto etwas erträglicher erscheinen.
Also ging es diesmal ausnahmsweise schon Donnerstag los, im bewährten Miettransporter der in München-Laim abgeholt, und danach im Lager in Puchheim voll beladen wurde. Nach Arbeitsende von Alina Grüner konnten wir mittags los. Obwohl wir über die Passauer Autobahn und Braunau gen Linz rollten, um der notorisch staugefährdeten Salzburger Autobahn zu entkommen, ging es streckenweise nur zäh voran. Nach Linz wurde es etwas flüssiger, um dann abermals auf der Wiener Südumfahrung im großen Stau zu enden. Ganz Wien wollte anscheinend ins Ferienhaus am Neusiedler See, und dazu kamen noch viele ungarische, rumänische und bulgarische Autos und Transporter auf dem Weg ins lange Wochenende. Die allwissende Frau Google riet uns, eine alternative Route über Eisenstadt und Sopron nach Pápá einzuschlagen, und versprach wir wären so schneller als auf unserem üblichen Reiseweg über Györ. Warum nicht, mal was anderes…..es lief auch ganz gut, aber leider haben wir von der uns unbekannten Umgebung rechts und links der Strecke gar nichts mitbekommen, denn ab spätestens 5 Uhr ist es in Ungarn stockfinstere Nacht. Etwas müde, aber sicher kamen wir dann um halb 8 in Siófok an, mit 8 Stunden eine trotz des vielen Verkehrs passable Reisedauer.


Unsere traditionelle Unterkunft „Bella“ hatte uns ausgetrickst – obwohl wir schon seit Monaten gebucht hatten, wurde uns ein paar Tage vor Abfahrt freundlich mitgeteilt, man hätte sich nun doch entschlossen, die Pension wegen der hohen Energiekosten zu schließen. Ehrlichgesagt hat uns das nicht allzu sehr überrascht, denn die Bella hatte schon die letzten Winter, anfangs wegen Corona, später auf Grund der auch in Ungarn extrem gestiegenen Energiekosten wegen des Ukraine-Kriegs, ihre Türen geschlossen. Freundlicherweise wurde uns angeboten, dass wir notfalls in der Bella Herberge finden können, falls es uns nicht gelänge, so kurzfristig ein Ausweichquartier zu finden – allerdings ein kleiner Haken: keine Heizung und warmes Wasser. Bei aller Liebe zur Tradition und zur Bella haben wir uns dann doch für eine Alternative entschieden (vor allem mit Heizung und warmem Wasser!), nämlich das Hotel La Riva, in dem wir schon im Dezember 2023 untergebracht waren – günstig, sauber und direkt am See. Der Parkplatz war sehr voll, und wir waren froh, dass wir den dicken 6 Meter langen Transporter im Dunkeln zwischen den Autos der Gäste durchzirkeln und noch eine Nische finden konnten. Trotz vorgerückter Stunde fanden wir ein offenes Restaurant am Wasserturm für ein Abendessen.
Am Freitag ging es gleich nach dem Frühstück ins Tierheim, sozusagen Tag 1. Eine etwas ungewohnter Tagesablauf, denn der traditionelle Einkaufsbummel im riesigen Tesco-Supermarkt fiel aus: auch in Ungarn ist an Allerheiligen Feiertag, alles war zu. Aber wir hatten am Samstag ja noch Tag 2. Alina Grüner hatte schon mit der Tierheimleitung Zsuzsi Vöros eine Art Programm abgesprochen. Der erste Tag sollte dem üblichen umfangreichen Tierheimrundgang gewidmet werden, bei dem alle aktuell im Tierheim befindlichen Hunde eingehend besprochen werden, insbesondere ob Fortschritte gemacht wurden und wie wohl ein geeigneter Vermittlungsplatz aussehen könnte. Tag 2 war dann für ausgedehnte Spaziergänge mit potentiellen Vermittlungskandidaten vorgesehen, denn an der Leine lernen sich Mensch und Hund am besten kennen.


Wie schon bei unserem letzten Besuch vor sechs Monaten im Mai fiel uns auf, dass wegen des laufenden Zaunprojektes weniger Hunde als sonst im Tierheim waren. Gegenüber Mai war der neue Zaun deutlich gewachsen, es ist nun bereits die gesamte Westseite des Geländes mit dem neuen ausbruchsichereren Zaun versehen. Auch die an dieser Seite gelegenen Zwinger haben jetzt solide Zwischenwände aus Betonelementen, so dass die Hunde keinen Sichtkontakt mehr haben, was den Adrenalinlevel der Bewohner deutlich senkt. Die früheren wilden Konstruktionen aus verrosteten Baustahlmatten, alten Eternitplatten und Draht sind hier bereits Geschichte. Jetzt laufen Planungen für die Neugestaltung weiterer Abschnitte, die schon im Winter angegangen werden sollen. Das stellt die Mitarbeiter wieder vor deutliche Herausforderungen, denn einige Hunde müssen in andere Zwinger umziehen.
Zu Beginn unseres Rundgangs wurden wir direkt von der Dackelmama Gisela und ihren vier Welpen begrüßt. Die Kleinen wurden im Tierheim geboren und durften an diesem Tag das erste Mal raus aus dem Gehege. Es war eine große Freude zu sehen wie die Welpen noch ganz tapsig ihre Umwelt erforscht haben- erst vorsichtig und dann immer mutiger. Doch die vier sind nicht die einzigen Welpen im Tierheim. Elf weitere Welpen haben sich im nächsten Auslauf über uns gefreut und sich über unsere Schnürsenkel hergemacht. Glücklicherweise konnten wir in der Zwischenzeit für 8 von ihnen eine Pflege- bzw. Endstelle finden. Weiter ging es zu den großen Zwingern. Hier sind leider meist die Langzeitinsassen zu finden. Viele Herdenschutzhunde, Listenhunde oder auch alte oder unverträgliche Hunde. Einige von ihnen werden Teil unserer Weihnachtsengel Aktion sein, die am 1.12. beginnt. Besonders nah ging uns Bagira. Er ist schon viele Jahre im Tierheim und inzwischen kann er kaum noch Aufstehen und Laufen, da er überall Arthrose hat. Menschen liebt er über alles, doch andere Hunde mag er überhaupt nicht. Das nass kalte Wetter macht ihm besonders zu schaffen. Wie bei vielen anderen Hunde ist das Tierheim leider seine letzte Station, aber die MitarbeiterInnen schenken ihm jeden Tag Liebe und Streicheleinheiten.


Nach Beendigung des Rundgangs wurden die mitgebrachten Sachspenden gemeinsam entladen. Erfreulicherweise war es sonnig und trocken, so dass die vielen Kartons und Säcke direkt im Hof gesichtet und sortiert, und dann in den diversen Lagerräumen verstaut werden konnten.
Zum Abschluss des ereignisreichen Tages im Tierheim ging es noch ins Büro für den üblichen Papierkram, und auf eine Tasse Kaffee. Wie immer gab es zum Kaffee die übliche riesige Auswahl an Cremeschnitten und Torten, die Ungarn schätzen die Produkte ihrer lokalen „cukrászda“ (Konditorei), und wir auch!
Bei dieser Fahrt hatten wir 2 dicke Umschläge dabei, einer mit 6.400 Euro als Kostenbeteiligung für die vermittelten Hunde, und einer für eine freie Spende. Seit unserem letzten Besuch im Mai wurden 39 Hunde vermittelt, für die das Tierheim in der Regel 200 Euro pro Hund als Kostenbeitrag von uns erhält – 100 Euro für den Hund, und bei erwachsenen Hunden zusätzlich 100 Euro für den Mittelmeertest. Zusätzlich konnten wir wie schon im Mai wieder eine große Spende von 5.000 Euro übergeben. Insgesamt konnten wir das Tierheim in diesem Jahr bisher bereits mit Spenden in Höhe von 22.000 Euro insgesamt unterstützen – ein im Vergleich zu den Vorjahren erheblich angestiegener Betrag, der hauptsächlich durch eine im Frühjahr dem Verein zugegangene größere Erbschaft ermöglicht wurde. Die Hundehilfe Marika dürfte aktuell der größte Unterstützer des Tierheims sein, nach den regulären Zuwendungen durch staatliche Stellen.
Nach einem ganzen Tag im Tierheim suchten wir uns ein typisch ungarisches Lokal, zum Leidwesen der Vegetarierin in der Reisegruppe – die fleischlose Auswahl ist auf ungarischen Speisekarten weiterhin sehr eingeschränkt. Die Gewissheit, dass es am nächsten Tag noch nicht zurückging, sondern noch einmal einen Tag im Tierheim verbringen zu können, fühlte sich bei der Rückkehr ins Hotel weiterhin etwas unwirklich an. Am nächsten Morgen fuhren wir zunächst in den Tesco, um die Bestellungen aus dem Verwandten- und Freundeskreis zu einzukaufen – original ungarischer Paprika, Knoblauchpaste, Kolbász (Wurst) und Palinka (Schnaps) sind gern gesehene Mitbringsel.


Danach steuerte der Transporter erneut das Tierheim an. Wir hatten uns warm angezogen, denn trotz Sonne blies ein kalter Nordwind, und eine lange Liste an Kandidaten für die Testspaziergänge galt es abzuarbeiten. Dabei waren auch einige Hunde, die schon länger im Tierheim sein oder ängstliche Hunde. Es war schön zu sehen wie sie sich außerhalb des Tierheims verhalten und ganz anders sind als im Tierheim. Während den Spaziergängen haben wir auch einige Fotos und Videos für potentielle Interessenten gemacht. Besonders verzaubert hat uns die kleine Hundeoma Sziszi. Sie war so eine liebe und entspannte Gassibegleitung, dass wir hoffen sie vor dem kalten Winter vermitteln zu können.
Nach Rückkehr vom Tierheim, leicht durchgefroren, machten wir uns noch einmal stadtfein, denn wir durften Zsuzsi Vöros in unseren Lieblingsitaliener zum Abendessen einladen. Ein unbeschwerter Abend mit gutem Essen, ausnahmsweise nicht nur Gespräche über die täglichen Sorgen und Nöte im Tierheim, sondern auch Platz auch für Privates, für das oft keine Zeit bleibt.
Sonntag ging es früh um 7 Uhr dann Richtung Heimat. Nach 8 Stunden Fahrt waren wir am frühen Nachmittag zurück in Puchheim und wurden freudig von der Familie empfangen. Hunde sind seit Corona und der gleichzeitig erfolgten Verschärfung der Transportbestimmungen (Stichwort TRACES) nicht mehr an Bord, ein legaler Tiertransport ist in einem Mietfahrzeug nicht mehr möglich. Manchmal vermissen wir die früheren „wilden“ Zeiten, als wir auf der Rückfahrt 10 Hunde und mehr in professionell gestapelten und verzurrten Boxen dabei hatten und diese dann in Mering, später in Neuried oder Puchheim, stolz den neuen Besitzern übergeben konnten. Andererseits ist die Ausreise der Hunde durch professionelle Transporteure sicher und komfortabel für alle Beteiligten. Außerdem werden die Hunde heute bis vor die Haustür geliefert, und es gibt wöchentlich einen Transport, was die Wartezeiten für die Hunde und die neuen Herrchen bzw. Frauchen erheblich verkürzt. Ehrlichgesagt vermissen wir auch manche Fahrten mit stundenlangem Gebell, Geheule und Gewinsel, und deftigen Gerüchen nach nassem Hund und diversen Körperausscheidungen nicht wirklich.


Schon laufen die ersten neuen Sachspenden ein, die jetzt in eine kürzlich günstig in Puchheim angemietete Garage eingelagert werden können. Die bisherige Lagerung in der Privatgarage des Vereinsvorstands hat sich zunehmend als schwierig erwiesen, da die Kinder größer werden und der Fuhrpark (Fahrräder und Traktoren) mitwächst. Aktuell ist Anfang Mai 2025 für die nächste Fahrt geplant, falls es aber mit dem Einlauf an Sach- und Geldspenden so weitergeht, „müssen“ wir eventuell schon früher fahren…..darum an dieser Stelle der übliche Aufruf: jeglicher Tierbedarf, Hunde- und Katzenfutter (nass und trocken), Medikamente, medizinisches Material, sowie Laken, Bettbezüge, Decken (keine Federbetten!), können gerne an unseren Spendensammelstellen vorbeigebracht werden, oder werden nach Vereinbarung auch abgeholt.
Allen Lesern dieses Berichts und Unterstützern der Hundehilfe Marika sagen wir Viszontlátásra! (ungarisch für „Auf Wiedersehen“), und wünschen eine schöne Vorweihnachtszeit. Bis bald!
Alina Grüner und Martin Valk
PS: die „Weihnachtsengel“ stehen schon in den Startlöchern, unsere beliebte Aktion beginnt bald! Wir hoffen auf ein reges Spendenaufkommen.