Fernsehmoderator Bruce Darnell hätte uns ohne mit der Wimper zu zucken die Rechte für die Verwendung seines Buchtitels für diese Fahrt gegeben, denn wir hatten eine Menge Drama…..

Es begann mit einem ausgewachsenen Wetterdrama. Wenige Tage vor Abfahrt sah der Wetterbericht für Siófok noch rosig aus, es wurden uns für den Tierheimbesuch am Samstag zweistellige Plusgrade und Sonnenschein in Aussicht gestellt. Je näher der Abfahrtstermin rückte, desto mehr verdüsterte sich die Prognose, bis dann die Wetterfrösche eine üble Schneewalze heranrollen sahen, genau für Freitag, unseren geplanten Anreisetag. Was tun: besser die Fahrt absagen, oder erst Mal sehen, ob wir nicht doch irgendwie durchkommen? Darauf hoffen, dass im Notfall die zuhause allgegenwärtige Paw Patrol mit Chase, Marshall und Rubble auftaucht und uns raushaut? Wir beschlossen das Abendteuer zu wagen und unsere Sachen zu packen. Also wurde Donnerstagnachmittag der Sprinter in Laim abgeholt (bzw. erst mal auf dem Parkplatz der Mietautofirma ausgegraben), mit heftig durchdrehenden Hinterrädern nach Esting ins neue Lager geeiert, dort mit unseren schicken Euroboxen vorbeladen, und dann in Puchheim bis unters Dach mit Nass- und Trockenfutter und den obligatorischen Säcken mit Textilien aufgefüllt.

Zur Steigerung der Vorfreude studierten wir am Abend eifrig die hereinströmenden Wetter-, Verkehrs- und Katastrophenberichte, die stehenden Verkehr auf unserer Reiseroute nach Wien, geschlossene Flughäfen in München und Wien, und als Krönung eine Totalsperre des Wiener Südrings wegen querstehender Lastwagen vermeldeten. Mit leichten Sorgenfalten gingen wir ins Bett, und wollten am nächsten Tag spontan entscheiden, ob wir fahren können oder die Fahrt doch absagen.

Am Morgen schien zwar keine Sonne, aber es hatte in München zumindest das Schneien aufgehört, und in Wien schien sich die Situation etwas entspannt zu haben. Also wollten wir es wagen, denn echte Helden brauchen das Abenteuer, egal ob knietiefer Schnee auf der Autobahn, oder knöcheltiefer Schlamm im Tierheim. Um halb acht ging es los, mit etwas Verspätung, denn der Sprinter musste zum zweiten Mal innerhalb von 15 Stunden aus einem Schneeberg freigeschaufelt werden. Sobald die Autobahn erreicht war, ging es aber sehr gut voran, denn viele wollte offenbar keine Helden sein, sondern waren vielmehr vernünftig und daheim bzw. im Homeoffice geblieben. Lediglich die einsamen Trucker aus Ungarn, Polen und Rumänien teilten unser Los. Bis auf ein kurzes sehr glattes Stück auf der Ostumfahrung von München waren die Autobahnen schneefrei und gut zu befahren, von dem nächtlichen Riesenchaos um Wien herum war bis auf zwei kurze Staus nichts mehr zu merken. Ab Györ nahmen wir die steigungs- und kurvenarme „Warmduschervariante“ nach Székesfehérvár, denn wir wollten unser bisheriges Glück nicht allzu sehr herausfordern – die „Heldenvariante“ über Zirḉ bietet einen für ungarische Verhältnisse fast alpine Passstraße, die bei Schönwetter sehr reizvoll zu befahren ist, bei dem Richtung Balaton abziehenden Schneefallgebiet aber vielleicht doch keine gute Idee darstellte. So kamen wir bei einsetzendem Schneefall sicher nach gut 8 Stunden Fahrt in unserer gemütlichen vertrauten Pension an – es hatte nur etwas länger als normal gedauert, das große Drama auf der Anreise blieb aus. In dichtem Schneetreiben spazierten wir in unsere Stammpizzeria, um uns für unsere glücklich überstandene Anreise zu belohnen.

Am nächsten Morgen präsentierte sich Siófok im winterlichen Kleid, aber die Wolken verzogen sich und die Sonne kam heraus. Am Vormittag war die Tierheimcrew bereit, uns zu empfangen, und der Rundgang konnte beginnen. Besonders interessierten uns die Neuankömmlinge seit unserem letzten Besuch im November. Im ersten Zwinger begrüßte uns Hoka, eine wunderschöne Labrador Mix Hündin, die angeschossen wurde und eine lange aufwendige Behandlung hinter sich hat. Dank der liebevollen Pflege im Tierheim, ist von der Verletzung fast nichts mehr zu sehen. Mit ihr im Rudel waren noch Lenke und Pitypang. Besonders Pitypang hat uns sehr überrascht. Sie hat sich seit unserem Besuch im November sehr viel weiterentwickelt. Aus der schüchternen und ängstlichen Hündin ist eine lustige, freundliche und freche Hündin geworden, die nun bereit ist vermittelt zu werden

Die zweite Gruppe, die uns besonders interessierte, waren Kandidaten, die bei uns zur Vermittlung anstehen, schon Interessenten haben oder demnächst Pflegestellen beziehen werden wie beispielsweise Tünci, Zsalya und Tubi. Die Zeit im Tierheim nutzen wir immer gerne, um Videos von den Hunden zu machen. Diese helfen sehr bei der Vermittlung der Hunde.

Zu dieser Gruppe zählte auch die kleine 8-jährige Bologneser Dame Maya, die vor kurzem in sehr schlechtem Gesundheitszustand mit ihrer Freundin ins Tierheim kam und seitdem liebevoll aufgepäppelt wurde. Der Plan war, dass sie am Sonntag mit uns nach Deutschland reisen darf, auf eine der bewährten Pflegestellen bei Andrea Kraust. Als wir sie in ihrem Zwinger besuchten, zeigte sie sich aber in einem sehr schlechten und lethargischen Zustand. Der geschulte Blick der Tierheimleitung Zsuzsi Vörös erkannte sofort, dass hier umgehend ein Veterinär erforderlich war, also wurde Maya in eine Box gepackt und nach Siófok zum Tierarzt transportiert. Ein abruptes Ende unseres Tierheimrundgangs, dafür Drama! Wir nutzen die freie Zeit dafür mit den Mitarbeitern des Tierheims unseren Transporter zu entladen. Der Innenhof war rasch übersät mit Säcken, Dosen, Taschen und Körben – erstaunlich, was so alles in einen Sprinter passt!

Nach einer guten Stunde war Zsuzsi mit der kleinen Patientin zurück, die schwanzwedelnd und nicht mehr so wacklig aus ihrer Box kletterte. Die kreislaufstabilisierende Spritze zeigte Wirkung. Trotzdem war zu diesem Zeitpunkt nicht klar, ob Maya am nächsten Tag die Fahrt nach Deutschland antreten kann, ob die Reise nicht zu viel Aufregung für das schwache Herz bedeuten würde. Alina und Zsuzsi beschlossen, erst am nächsten Morgen zu entscheiden…..das „Entscheiden wir morgen“ sollte offenbar das Motto dieser Fahrt werden….

Wegen des einsetzenden ungemütlichen Schneeregens wurde der Rest des Rundgangs leicht abgekürzt, aber die beiden schwarzen Wuschel Koci und Gombi, ein Mutter-Tochter-Gespann, und die amerikanische Bulldogge Boldiszar mit den eisblauen Augen blieben in Erinnerung. Im Büro gab es den obligaten famosen Kuchen, und wir konnten als unseren ersten Obulus für das neue Jahr 2026 glatte 7.000 Euro überreichen, je zur Hälfte für Hunde und als Spende. Im Tierheim gibt es einige neue Projekte, wie ein Vordach vor dem Hauptbau, das den Hunden und Tierheimmitarbeitern Schutz vor Sonne und Regen bieten soll. Außerdem ist geplant, das ironisch „Straflager“ genannte Zwingergeviert abzureißen und neu zu errichten. Natürlich sitzen in diesem Bereich des Tierheims keine Sträflinge ein, aber die Zwinger sind relativ klein, im Winter kalt, im Sommer heiß und darum dringend zu ersetzen.

Wir verabschiedeten uns nur vorläufig, denn wir hatten ja die Hoffnung, dass wir am nächsten Morgen die kleine Maya doch noch mitnehmen könnten. Alles hing aber davon ab, wie sie die kommende Nacht zuhause bei Zsuzsi überstehen würde. Nicht ganz unbeschwert, mit Gedanken bei Maya, verbrachten wir deshalb den letzten Abend unseres Aufenthalts in Siófok.

Am Sonntagmorgen früh um 6 Uhr gab es eine Telefonkonferenz mit Zsuzsi Vörös. Die kleine Maya hatte die Nacht gut überstanden, aber ob sie die lange Fahrt schaffen würde, konnte niemand garantieren. Andererseits standen ihre Chancen bei einem Verbleib im Tierheim eher schlecht, und die Aussicht auf eine gute ärztliche Behandlung in Deutschland waren vielversprechend. Also gesagt getan, wir gingen zum Frühstück, Zsuzsi machte Maya reisefertig, und brachte sie um halb acht zum Treffpunkt am Wasserturm in Siófok. Ohne Schnee, aber mit zeitweise strömendem Regen ging es über Györ, Wien und Linz nach Salzburg. Maya wurde während der Fahrt immer munterer, kletterte aus ihrer Box und spähte von Alinas Arms aus in die verschneite österreichische Landschaft.

Von Salzburg aus ist es nur noch ein Katzensprung bis ins Hundeparadies Stephanskirchen, wo Maya in die fürsorglichen Hände von Andrea Kraust übergeben wurde. Wir waren riesig erleichtert und froh, dass dieser Teil unserer Mission erfolgreich abgeschlossen werden konnte. Nach einer weiteren guten Stunde waren wir geschafft, aber zufrieden zurück in Puchheim und konnten die Transportboxen entladen. Gottseidank blieb uns heute das große Drama erspart, Baby!

Von Salzburg aus ist es nur noch ein Katzensprung bis ins Hundeparadies Stephanskirchen, wo Maya in die fürsorglichen Hände von Andrea Kraust übergeben wurde. Wir waren riesig erleichtert und froh, dass dieser Teil unserer Mission erfolgreich abgeschlossen werden konnte. Nach einer weiteren guten Stunde waren wir geschafft, aber zufrieden zurück in Puchheim und konnten die Transportboxen entladen. Gottseidank blieb uns heute das große Drama erspart, Baby!

Inzwischen gibt es ein Update zu Maya: die ersten Untersuchungen haben ergeben, dass Maya einen  angeborenen Herzfehler hat, der nie erkannt und behandelt wurde. Wir hoffen sehr, dass die Operation bei der Kleinen durchgeführt werden kann, falls ihr Gesundheitszustand dies zulässt. Letzte Woche wurden bereits ihre Zähne saniert und sobald sie sich von dieser Op erholt hat, ist die Herz Op geplant. Der geübte Leser ahnt schon, was in den nächsten Wochen folgen wird: genau, ein Spendenaufruf, um die Operations- und Behandlungskosten zumindest teilweise zu decken!

Wie bereits im letzten Bericht erwähnt, wollen wir 2026 viermal nach Siófok fahren. Ende Februar ist hiermit erfolgreich abgehakt, die nächste Fahrt ist nun fest für Anfang Mai terminiert (1.-3. Mai), dann folgen noch Mitte August (vermutlich 7.-9. August) und dann zum Abschluss Ende November. Auf den kommenden Besuch freuen wir uns jetzt schon wegen des Maifestes im Tierheim. Die kommenden Monate März und April werden wir zum Sammeln von Sachspenden nutzen, unser neues Lager in Esting bietet einigen Platz.

Allen LeserInnen dieses Berichts und UnterstützerInnen der Hundehilfe Marika sagen wir Viszontlátásra! (ungarisch für „Auf Wiedersehen“)! Bis bald!

Alina Grüner und Martin Valk