Erst beim Schreiben dieses Reiseberichts fiel uns auf, dass der Bericht zur Reise im August- offenbar still und leise unter den Tisch gefallen ist. Zur Entlastung der Angeklagten wird angeführt, dass wir gleich nach der Rückkehr aus Ungarn in den Familienurlaub nach Italien gestartet sind – der Laptop blieb daheim, um Platz für Sandspielzeug, Sonnencreme und Badetuch zu schaffen. Was uns von der Augustreise aber in Erinnerung blieb: es war heiß, sehr heiß, sogar so heiß, dass wir die eigentlich geplanten ausgedehnten Spaziergänge mit Vermittlungskandidaten streichen mussten, da weder die Hunde noch wir einen Hitzschlag erleiden wollten. Also waren eher Zwingerbesuche und Streicheleinheiten angesagt, um die Persönlichkeiten besser kennen zu lernen. Trotzdem erinnern wir uns an einen schönen und erfolgreichen Besuch in Siófok, mit vielen neuen Hunden, von denen wir einige in der Zwischenzeit vermitteln konnten.
Der Wetterbericht für die Novemberreise versprach nun ein echtes Kontrastprogramm: pünktlich zu unserer Abreise am Donnerstag sollte sich das Wetter von milden spätherbstlichen Temperaturen auf Winterbetrieb umstellen, mit Schnee, Kälte und Wind. Und so wurde es auch…..
Um 9 Uhr holten wir das Auto ab, und beluden es im Puchheimer Lager in Windeseile, denn fleißige Wichtel hatten schon viel Vorarbeit geleistet und die Spenden penibel vorsortiert. In den Transporter wurden bei dieser Fahrt vor allem Futterspenden geladen; wir hatten in den letzten Monaten sehr viel Trockenfutter verschiedenster Art von verschiedenen Einrichtungen und befreundeten Vereinen erhalten. An dieser Stelle großer Dank an unsere treue Pflege- und Spendensammelstelle Andrea Kraust in Stephanskirchen, „Pattys Hilfe für Tiere“, die „Federn und Pfoten“ in Höslwang, die Tierarztpraxis Steffi Ruhl und die Sammelstelle von Manuela Eggerdinger in Brunnthal.
Schon um 11 Uhr konnten wir starten, und trotz vieler LKW unterwegs ging es reibungslos und vor allem trocken und schneefrei nach Siófok, wo wir in tiefer Dunkelheit gegen 18 Uhr ankamen und unser Zimmer in der Pension wartete. Das Städtchen am Balaton war schon im Winterschlaf, die meisten Pensionen und Restaurants geschlossen, kein Vergleich mit dem Trubel im Sommer.
Am Freitag ging es gleich am Vormittag ins Tierheim. Wie immer sollte der erste Tag dem üblichen umfangreichen Tierheimrundgang gewidmet werden, bei dem alle(!) aktuell im Tierheim befindlichen Hunde eingehend besprochen werden, insbesondere ob Fortschritte gemacht wurden und wie wohl ein geeigneter Vermittlungsplatz aussehen könnte. Das Wetter war uns gnädig, denn in der Nacht und am Vormittag hatte es in Strömen geregnet, aber als wir das Tierheim erreichten, hörte der Regen auf. Die Temperatur war aber mehr als ungemütlich, um den Gefrierpunkt, und es ging ein eisiger Nordwind. Uns wurde sofort klar, dass die zurückliegenden Fahrten im Mai und August, bei sommerlichen Temperaturen, ohne Regen, eigentlich ein verfälschtes Bild abgaben. Erst die Winterfahrten, bei Schnee, Eis und Kälte, zeigen den harten Tierheimalltag ungeschminkt. Sowohl für die Hunde, die in den zugigen Zwingern in Pfützen sitzen, wie auch die MitarbeiterInnen, die jeden Tag bei eisiger Kälte und alles durchdringender Nässe ihre körperlich fordernde Arbeit verrichten. Wir bewundern immer die Leistung und Hingabe der KollegenInnen vor Ort, aber bei diesen äußerlichen Bedingungen nimmt unser Respekt vor Ihrer Arbeit noch einmal zu.
Zahlreiche Hunde, die wir im Tierheim an verschiedenen Stellen fanden, stammen aus einer Beschlagnahmung eines Vermehrers, der sich auf Foxterrier spezialisiert hatte. Die Hunde waren in einem sehr schlechten Zustand, unterernährt, verdreckt und krank ins Tierheim gekommen. Es war kaum zu glauben, wie gut sie sich in den wenigen Wochen seit der Beschlagnahme entwickelt hatten. Besonders die fünf sehr süßen „Piranha-Welpen“ mit ihren nadelspitzen Milchzähnen hatten es uns angetan – wir denken, diese werden leicht zu vermitteln sein. Aber auch eine sehr liebe Foxi-Hündin hat bereits einen Pflegeplatz gefunden und durfte vor dem kalten Winter ausreisen. Eine weitere aufgepäppelte Hündin muss leider wieder zurück in die Familie des Vermehrers, da der Besitzer die Herausgabe erstritten hat.
Natürlich haben wir auch viele der uns schon lange bekannten Dauer- und Langzeitinsassen besucht, die teilweise gute Fortschritte machen. Die TierheimmitarbeiterInnen nehmen sich sehr viel Zeit, mit den Hunden zu arbeiten, um ihre Vermittlungschancen zu verbessern. Bedauerlicherweise gelingt das nicht immer, ein Tierheim ist nie ein besserer Platz als ein warmes Körbchen bei einem liebevollen Herrchen oder Frauchen.
Neu angetroffen haben wir zum Beispiel Zazu, eine sehr liebe und aktive Border-Collie Hündin (die nun auch eine Pflegstelle gefunden hat), die noch sehr scheue Terrierhündin Pitypang und eine noch sehr verstörte und ängstliche, aber hübsche sandfarbene Labradorhündin, die erst am Tag zuvor eingetroffen war. Besonders traurig gestimmt hat uns der Hundeopa Retro. Er wurde abgemagert und vollkommen geschwächt ausgesetzt und glücklicherweise gefunden. Wir haben direkt einen großen Aufruf gestartet und können es selber kaum glauben, dass Retro einen Gnadenplatz gefunden hat und sein restliches Leben nicht im Tierheim verbringen muss.
Während unserem Rundgang fuhr unser langjähriger Bekannter und Freund Janos mit dem Tierheimtransporter auf das Gelände. Wir kennen Janos seit dem ersten Tag, er ist schließlich der Sohn der damaligen und viel zu früh verstorbenen Tierheimleitung Marika, die unserem Verein den Namen gegeben hat! Der Transporter hatte 3 Paletten mit Trockenfutter geladen, wir haben uns kurzerhand in die Tragekette der TierheimmitarbeiterInnen eingereiht und mit vereinten Kräften waren die Säcke mit eineinhalb Tonnen Futter schnell entladen und in den beiden nagelneuen blauen Seecontainern verstaut. Die neuen Container erlauben eine trockene und vor allem mäusesichere Lagerung von wertvollem Futter. Einen Teil davon hat die Hundehilfe Marika mit Spenden mitfinanziert. Gleich nachdem der Tierheimtransporter den Weg frei gemacht hatte, wurde unser Lieferwagen auf das Tierheimgelände rangiert, und die mitgebrachten Spenden gemeinsam entladen. Wie bereits erwähnt, hatten wir dieses Mal vor allem hochwertiges Trockenfutter dabei, was insbesondere wegen der zahlreichen Hunde mit Futterunverträglichkeiten wieder sehr willkommen ist. Weiterhin war im Transporter auch einiges an Katzenfutter für Janos‘ Katzenstation. Dort ist gerade „Land unter“, denn es grassiert im Katzenhaus eine Parvovirus-Infektion, die für Jungtiere und geschwächte Tiere tödlich enden kann.
Zum Abschluss des ersten Tages ging es ins Büro. Anders als im August, als wir nach Schatten und kühlen Getränken lechzten, waren wir jetzt für die Wärme und einen heißen Tee dankbar, denn wir waren doch sehr durchgefroren, trotz mehrlagiger Kleidung. Die traditionellen Cremeschnitten und Torten hellten die Laune weiter auf, und wir konnten zum finanziellen Teil übergehen. Bei dieser Fahrt konnten wir wieder einiges an Geld überreichen, 2.580 Euro als Kostenbeteiligung für die vermittelten Hunde, dazu eine Spende von 2.420 Euro, also insgesamt 5.000 Euro. Da sich das Jahr dem Ende zuneigt, kann ein kleiner Überblick gewagt werden: Im gesamten Jahr 2025 konnten wir das Tierheim Siófok mit insgesamt 27.500 Euro unterstützen, davon 15.000 Euro für vermittelte Hunde und als Kostenbeteiligung für die Mittelmeertests, und 12.500 Euro als Spende. Somit dürfte unser Verein wie schon im Vorjahr auch heuer der mit Abstand größte Unterstützer des Tierheims in Siófok sein, nach den regulären Zuwendungen durch die Stadt und staatliche Stellen in Ungarn.
Nach Rückkehr in der Pension wurde der Aufwärmprozess durch eine heiße Dusche fortgesetzt, und mit einem typisch ungarischen Abendessen gekrönt.
Schon im Auto dick eingepackt steuerten wir am Samstag früh erneut das Tierheim an. Es war zwar wieder trocken, aber der am Vortag noch zurückhaltende Nordwind hatte sich zu einer steifen Brise mit eingestreuten Böen entwickelt, was für die anstehenden Spaziergänge keine schöne Aussicht darstellte. Zu allem Überfluss hatte sich in der Nähe eine große Schar eifriger Jäger versammelt, die in den nächsten Stunden eine Treibjagd rund um das Tierheim veranstaltete. Einige Hasen, Füchse und Rehe wurden aus den Weinbergen getrieben und zur Strecke gebracht – das Geknalle war keine schöne Begleitmusik für unsere Spaziergänge, aber wir nahmen es positiv: so konnten wir gleich die Schreckhaftigkeit der Hunde testen. Wir vermitteln zwar nicht an Jäger, aber auch im normalen Hundeleben zahlt es sich aus, nicht gleich beim ersten Knall davonzurennen.
Als ersten sind wir mit Noel und Pitypang spazieren gegangen. Noel sitzt bereits sehr lange im Tierheim und hat sich zu einem tollen Hund entwickelt. Leider entspricht er als schwarzer großer Hund wohl nicht den Vorstellungen vieler Interessenten. Pitypang hat sich beim Spaziergang von einer ganz anderen Seite als im Tierheim gezeigt. Im Tierheim war sie sehr scheu und hat sich nicht anfassen lassen. Sobald sie an der Leine war, hat sie direkt Kontakt zu uns aufgenommen und wollte uns gar nicht mehr von der Seite weichen. Wir sind uns sicher, dass sie mit etwas Zeit und Geduld eine ganz tolle Familienhündin wird und hoffen, dass wir bald einen Platz für sie finden können. Weiter ging es mit dem bildschönen und ängstlichen Gyoma. Er ist ein toller junger Rüde, der sehr viel Potential hat. Besonders wichtig war es uns auch mit Hunden mehr Zeit zu verbringen, die schon lange im Tierheim sind. Carmen kam als Welpe ins Tierheim und wartet inzwischen bereits seit einem Jahr darauf ein Zuhause zu finden. Wir wissen, dass es nicht leicht ist für Schäferhunde einen Platz zu finden, doch wir hoffen sehr, dass auch Carmen bald das Glück hat nicht mehr im Tierheimzwinger leben zu müssen.
Als die vereinzelten Schneeflocken sich zu einem veritablen Schneegestöber entwickelten, bei dem gleichbleibenden schneidenden Wind, hat es uns nach drei Stunden und vielen Tausend Schritten dann auch gereicht, wir waren bis auf die Knochen durchgefroren, trotz dicker Jacken und Skiunterwäsche. Unsere fürsorgliche Gastgeberin Zsuzsi taute uns mit einigen Kannen heißem Tee und den Resten der Kuchen vom Vortag schnell wieder auf. Ein tränenreicher Abschied von Zsuzsi und den MitarbeiterInnen, in diesem Jahr sehen wir uns nicht mehr.
Sonntag ging es wieder sehr früh Richtung Heimat. Wir hatten etwas Sorge wegen des Straßenzustands, denn es hatte am Vortag doch ergiebig geschneit. Aber bis auf ein 40 Kilometer langes Stück auf der Landstraße zwischen Zirc und Györ, das nicht geräumt und mit Schnee bedeckt war, ging es gut zu fahren. Die Autobahn von Györ über Wien nach Linz, und dann weiter über Braunau nach München war trocken und am Sonntag gibt es auch keine Lkw. So waren wir nach 8 Stunden Fahrt am frühen Nachmittag zurück in Puchheim.
An einem Abend während dieser Fahrt haben wir die Fahrten für das kommende Jahr grob vorgeplant. Wir wollen 2026 im Ende Februar, Anfang Mai, Mitte August und Ende November nach Siófok fahren, also ungefähr einmal pro Quartal, ähnlich wie in diesem Jahr. (Der Mai-Besuch verspricht als kleines Extra einen Besuch des Maifestes im Tierheim, auf diese Reise freuen wir uns jetzt schon besonders – siehe hierzu den letzten Reisebericht vom Mai 2025.) Die regelmäßigen Besuche im Tierheim erlauben einen engeren Kontakt mit der Tierheimleitung und ein besseres Kennenlernen der Hunde, was sich für eine erfolgreiche Vermittlung als sehr positiv erwiesen hat. Auch unserem Spendenlager tut ein regelmäßiger Umschlag gut, die seit einiger Zeit von uns bevorzugten kleineren Transporter haben die ideale Größe für den Spendentransport, sind leicht zu fahren und günstig in der Miete. Zudem wurde kürzlich im Nachbarort ein kleines Extralager angemietet, das uns erlaubt, auch kurzfristige Spendenangebote spontan anzunehmen, die wir in der Vergangenheit aus Platzmangel manchmal ablehnen mussten.
Allen LeserInnen dieses Berichts und UnterstützerInnen der Hundehilfe Marika sagen wir Viszontlátásra! (ungarisch für „Auf Wiedersehen“), und wünschen allen unseren FreundInnen, UnterstützerInnen und Followern ein schönes Weihnachtsfest und ein gutes neues Jahr! Bis bald!
Alina Grüner und Martin Valk